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Dein weiches Herz

Vor einigen Wochen habe ich in der Kirche das Gleichnis vom Sämann aus dem Evangelium nach Matthäus gehört. Wenn du es lesen möchtest, scroll bitte ans Ende dieses Artikels, da habe ich es für dich abgetippt. 

 

Die Auslegung des Priesters zu diesem Evangelium hat mich sehr berührt. Nicht etwa weil seine Interpretation völlig neu war, sondern weil EIN Wort, das er verwendet hat mir einen neuen Blickwinkel und tiefere Einsichten geschenkt habt. 

 

Der Priester hat vom harten und vom weichen Herzen gesprochen. Unser Herz ist der Boden, auf dem das Wort Gottes ausgesät wird. Er kann hart oder weich sein. Wir haben es in der Hand: Wir können ihn entweder wässern, düngen und mit Sonne bescheinen lassen, oder austrocknen lassen. Was mich so berührt hat war das Wort WEICH. Während das Wort hart sogar im Evangelium vorkommt ist von dem Wort weich eigentlich keine Rede. Doch es erscheint mir logisch, dass das Gegenteil von hart eben weich ist. 

Und weich ist in diesem Kontext extrem positiv, was in unserer Gesellschaft nicht immer der Fall ist. Ein weiches Herz wird oft mich Schwäche gleichgesetzt, doch hier ist es die GRUNDVORAUSSETZUNG dafür, dass überhaupt etwas entstehen kann. 

 

Nun drängt sich natürlich die Frage auf: Was macht so ein weiches Herz aus? Wie sieht ein weiches Herz konkret im Alltag aus? Wie äußert sich ein weiches Herz im Umgang mit sich selbst und seinen Mitmenschen?

 

Ich habe lange darüber nachgedacht und ich würde es so beschreiben:

 

Ein weiches Herz hat TIEFE, weil es ALLEM Erlaubnis schenkt. (Was nicht bedeutet, sich alles gefallen zu lassen oder das alles in Ordnung ist.)

 

Es hat die Fähigkeit, jegliche Gefühle und Situationen anzunehmen und nicht wegmachen zu wollen. Es hat die Bereitschaft sie da sein zu lassen, sie ans Licht zu bringen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Denn Gefühle/Gedanken/Ängste/Zweifel werden nur größer, wenn ich dagegen ankämpfe und sie weghaben will. Ein weiches Herz kann beobachten, statt bewerten. Ein weiches Herz kämpft nicht gegen sich selbst (seine Gefühle, Gedanken, Herausforderungen). Es kann die Achterbahnfahrt Leben halten und seinen Blick in all dem Trubel immer wieder auf das Gute, auf Gott richten. Und ich finde das ist eine unglaubliche Stärke! 

 

Das Problem ist oft, dass wir uns viele Gedanken und Gefühle eben nicht erlauben. Wir sperren unsere Zweifel, unsere Hilflosigkeit, unsere Ängste, unsere Wut, unsere Scham, unseren Frust einfach weg, weil wir das nicht fühlen wollen. Doch wenn wir etwas weghaben wollen, wenn wir dagegen im Widerstand sind, können wir es auch nicht verändern oder beeinflussen. Nur was ich wahrnehme, beobachte und annehme kann ich auch beeinflussen. Wenn ich ein hartes Herz habe und mir nicht erlaube manche Gefühle zu fühlen, oder manche Gedanken zu haben - wie kann ich dann Einfluss auf mich selbst haben, wenn Teile von mir ja gar nicht da sein dürfen aber trotzdem da sind? Wie kann ich dann tun, worum Gott mich bittet?

Wenn ich mir selbst meine Zweifel oder Ängste nicht erlaube, wie kann Gott mir zeigen, dass er mich in meiner Angst trägt?

Wenn ich mir selbst meine Freude nicht erlaube, wie kann ich dann erleben, dass Gott das Leben in Fülle für mich vorbereitet hat?

Wenn ich im Widerstand mit meinem Charakter bin, wie kann ich dann Gottes Verheißung erleben, dass ich wunderschön, wertvoll und geliebt bin?

 

Ein weiches Herz schenkt Raum statt Enge. Es nimmt an was da ist, auch wenn es unangenehm ist und nimmt dem Dunklen so die Macht. Dadurch hat es Zugang zur Fülle, zur Tiefe, zu einem echten Leben. 

 

Ein weiches Herz kann also das Wort Gottes hören und es erst einmal wirken lassen.

  • Was machen diese Worte mit mir?
  • Welche Gefühle/Gedanken kommen da in mir hoch?
  • Stoße ich mich an etwas? Was zeigt mir das über mein Gottesbild?

Ein weiches Herz hat Raum für alle Gefühle und Fragen, die auftauchen können. Es hat keine Angst, weil es seine Gefühle und Gedanken begleiten kann, sodass sie keine Macht haben. 

 

Dein weiches Herz ist deine größte Stärke. 

 

Ich bringe dir hier noch einmal ein Beispiel, was ich mit dem weichen Herzen genau meine. 

Angenommen du liest etwas in der Bibel und diese Worte lösen WUT in dir aus. Oder es passiert etwas und du spürst WUT in dir (keine Gefahrensituation!). 

 

--> Beobachten statt Bewerten

Ich nehme wahr, dass Wut in mir ist. Das ist weder positiv noch negativ. Es ist einfach ein Gefühl. Gott hat mir meine Gefühle geschenkt, damit ich Dinge erkennen kann. 

 

--> Erlaubnis statt Kampf/Widerstand

Es ist okay, dass mich das wütend macht, denn das zeigt mir das ein tiefer Schmerz in mir ist. Das darf ich mir in Ruhe anschauen. Ich tanze meine Wut jetzt hinaus und schaue mir dann in Ruhe an, was gerade los war und stehe für meine Bedürfnisse ein. Gott wird mir zur richtigen Zeit die Kraft geben Ungerechtigkeiten anzusprechen. 

 

--> Raum statt Enge

Ich muss das nicht heute schaffen, ich darf mir Zeit nehmen. Ich darf auf Gottes Zeitplan vertrauen. Gott wird mir zur richtigen Zeit Erkenntnis schenken. 

 

--> Weichheit statt Härte

Es ist okay zu fallen. Ich stehe wieder auf. Auch Jesus ist unter der Last des Kreuzes gefallen. 

 

--> Freiheit statt Druck und Vergleich 

Ich darf meinen Weg gehen, der darf ganz anders aussehen als der meiner Freundin. Gott liebt mich, wie ich bin. 

 

--> Gnade und Milde statt Verurteilung 

Es ist okay, dass ich noch nicht dort bin wo ich gerne wäre. Ich darf traurig darüber sein und einfach weiter kleine Schritte machen. Gott schenkt mir jeden Tag neue Gnade, Kraft und Liebe. 

 

Dein weiches Herz ist deine größte Stärke. 

 

In diesem Sinne, nimm dir mit was mit deinem Herzen resoniert und lass den Rest einfach da sein. 

 

Viel Segen,

Paulina 

Gründerin von Priorität Begegnung 

 

 Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

Mt 13, 1–23

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.
Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer.
Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.
Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.
Wer Ohren hat, der höre!
Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.
Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.
An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen.
Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.
Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.
Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.
Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.
Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.
Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.
In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.
Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.